Ein Jahr in Vernon, Okanagan Valley, der Urlaubsort für Kanadier

Erfahrungsbericht von Norman BroszatBritish Columbia

Mein Name ist Norman, ich bin 16 Jahre alt und mein Auslandsjahr führte mich nach British Columbia in die Kleinstadt Vernon.

Die Reise nach Kanada war ziemlich lang und dementsprechend anstrengend, sodass ich gegen 21 Uhr Ortszeit nach 20 Stunden Reisedauer am Flughafen in der Nachbarstadt Kelowna ankam. Die Gastfamilie, bei der ich 10 Monate verbringen sollte, war zu diesem Zeitpunkt noch im Urlaub, weshalb isec mir kurzfristig eine Gastfamilie für vier Tage gesucht hat. Die Familie war sehr nett,  kümmerte sich sehr gut um mich und versuchte mir, in der kurzen Zeit, einen Eindruck von der Stadt zu machen. Als die vier Tage vorbei waren, wurde ich von meinen richtigen Gasteltern abgeholt. In ihrem Haus angekommen, wurde mir mein Zimmer zugewiesen und das Haus gezeigt.

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Nach wenigen Tagen der Eingewöhnung startete das Schuljahr für mich mit einem „Orientation Day“, an dem ich mit anderen ausländischen Schülern einen Test ablegen musste und ich die Schule etwas kennenlernte. Das Gebäude ist in drei Etagen aufgeteilt; im Zentrum ist ein einer Mensa ähnlicher Bereich, in dem man sich in den Pausen mit seinen Freunden zum Essen treffen kann.

Die Schule war sehr gut mit Fachräumen und entsprechendem Equipment ausgestattet. Es gab eine große Sporthalle, die direkt an einen Kraft- und einen extra Kletterraum verbunden war; außerdem verfügt die Schule über Räume für naturwissenschaftlichen Unterricht und Kochstunden. Als Highlight neben dem Orchesterzimmer und einem kleinem Theater empfand ich die Holz- und Autowerkstatt. In der Autowerkstatt standen den erfahreneren Schülern Autos, die auf Hebebühnen parkten, und den Anfängern Rasenmäher-Motoren zum Üben zur Verfügung. Direkt an die Schule angebunden ist ein großer Rasenplatz mit zwei Fußballfeldern als auch wie zwei Tennisplätze und ein Basketballplatz.

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Am gleichen Tag erhielt noch meinen Stundenplan, welcher sich in der Anzahl an Kursen an einem Tag, der Anzahl an verschiedenen Kursen in einer Woche und in der Dauer der Stunden unterschied – ich hatte 4 verschiedene Klassen in einem Halbjahr, die sich auf 80 Minuten pro Tag aufteilten. Unter den Fächern waren mir bekannte Fächer wie zum Beispiel Mathe, Wirtschaft oder Sport, aber man konnte unter anderem auch Klassen wählen, in denen man vieles über Autos lernt und diese auch repariert oder Fächer, in denen man kocht oder näht. Die Schulkoordinatoren waren sehr bemüht, meine Wünsche bei der Erstellung meines Stundenplanes zu berücksichtigen, sodass ich Wirtschaft, Autoshop, Sport und ESL (English as Second Language ist eine Klasse ausschließlich für Austauschschüler) im ersten und Englisch, Sozialkunde, Mathe und ESL im zweiten Halbjahr hatte. Durch den individuellen Stundenplan lernte ich ziemlich schnell viele Kanadier sowie andere Austauschschüler kennen, doch diese Individualität machte es mir anfangs nicht leicht enge Freundschaften zu schließen, da ich selten mehrere Klassen mit den gleichen Leuten hatte.

Nach den ersten Monaten in Vernon kam Langeweile bei mir auf, da ich aufgrund meiner relativ leichten Kurse nie Hausaufgaben auf hatte und ich das Gefühl bekam, keine Abwechslung zu haben.

Umso erleichterter war ich, als man mir das Anmeldeformular für die Fußballmannschaft der Schule gab. Bis Anfang November war ich mit dem Fußballteam in Kontakt, wodurch ich mir gute Freunde machte. Leider war die Saison ziemlich schnell vorbei, weil es immer kälter wurde und der Fußballplatz schon im November von Schnee bedeckt war. Damit ich nicht wieder Langerweile bekam schlugen meine Gasteltern mir vor, mich zu ihrem Karatetraining mitzunehmen; kurze Zeit später fand ich mich in einem weißen Kampfanzug wieder.

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Derweil arbeitete ich in Wirtschaft an meiner eigenen Geschäftsidee, für die ich einen Business-Plan entwerfen musste. Das Klassenzimmer war sehr gut ausgestattet, sodass jeder Schüler an einem Computer arbeiten konnte. Da wir überwiegend alleine an unserem Projekt arbeiteten und nur gelegentlich Notizen machen mussten, wurde man hin und wieder dazu verleitet, die Ergebnisse der Champions-League-Spiele zu checken. Währenddessen lernten wir im Autoshop die Funktionsweise eines Verbrennungsmotors, weshalb wir zum Proben Rasenmäher-Motoren auseinandernahmen und wieder zusammensetzten. Außerdem wurden wir mit dem Wechsel von Autoreifen, dem Ausbalancieren von Reifen und dem Aufbau der Bremsen vertraut gemacht. In Sport durchliefen wir sämtliche Sportarten, nutzen den Fitnessraum der Schule und machten Ausflüge (wenn wir zwei Unterrichtseinheiten hintereinander hatten) zum Eisstadion, in die Squash-Halle und wir machten eine Wanderung zu einem der drei Seen in der Umgebung. Der ESL-Unterricht war sehr schön und erholsam, da unser Lehrer uns Projekte gab, die uns Austauschschülern helfen sollten die Stadt besser kennenzulernen und unser Englisch zu verbessern.

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In den Weihnachtsferien machte ich mir den starken Schneefall zu Nutze und ging mit meinen Freunden zum Ski-Resort, welches nur 20 Minuten vom Haus meiner Gastfamilie entfernt und sogar mit dem Bus erreichbar war. Zu Weihnachten kamen leichte Gefühle von Heimweh auf, von welchen ich durch die Freude über Pakete von meiner Familie abgelenkt wurde. An Heiligabend hatten wir Besuch von der Familie und den brasilianischen Freunden meiner Gasteltern, weshalb sie überwiegend portugiesisch sprachen und ich leider nichts verstehen konnte. Die Familie blieb über die Weihnachtsfeiertage und wir verstanden uns immer besser, da sie sich auch bemühten, meinetwegen englisch zu sprechen. Die restlichen Tage bis zu Silvester verbrachte ich überwiegend beim Skifahren. Von Silvester war ich ehrlich gesagt ein wenig enttäuscht, da es nirgendwo ein Feuerwerk gab und man selber keines machen durfte.

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Im neuen Jahr setzte ich das Skifahren fort. Leider verletzte ich mich dabei, doch da man als Austauschschüler gut versichert ist, wurden die Arztkosten davon gedeckt; auch in dieser Angelegenheit war isec neben meinen Gasteltern und Betreuern des Schulbezirks für Fragen bezüglich des kanadischen Gesundheitssystems und der Versicherung erreichbar und hilfsbereit.

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Nach den Ferien ging es mit dem Unterricht weiter, bis im Februar das erste Halbjahr endete und ich einen neuen Stundenplan bekam. Meine neuen Stunden waren Englisch, Sozialkunde und Mathe, außerdem hatte ich eine Freistunde, in der ich oft meine Hausaufgaben machte und mir bei diesen geholfen wurde.

In Sozialkunde (Social Studies) wurde die kanadische Geschichte des 20. Jahrhunderts als auch demografische Ereignisse mit kanadischer Beteiligung gelehrt. Des Weiteren musste ich in diesem Unterricht viele Aufsätze schreiben, was eine gute Übung war.

Im Englisch-Unterricht beschäftigten wir uns mit der Zusammenfassung und Analyse von Kurzgeschichten, lasen wir Bücher und wir befassten uns intensiv mit dem Stück Macbeth von William Shakespeare im Rahmen einer „Clan Challenge“.

Im Spring Break wurde den Austauschschülern ein Trip nach Edmonton über Banff für vier Tage angeboten. Dieser Trip wurde von dem Schulbezirk Vernons und Kelownas organisiert. Wir fuhren mit dem Bus nach Banff, um den Lake Louise und anschließend die Innenstadt von Banff zu besichtigen. Bevor wir am nächsten Tag weiter nach Edmonton fuhren, machten wir noch beim Lake Louise Ski Resort einen Zwischenstopp, wo wir bis zum Gipfel fahren konnten und einen bemerkenswerten Panoramablick auf die Rocky Mountains hatten. In Edmonton verbrachten wir zwei Nächte in einem Hotel, das direkt mit der zehntgrößten Mall der Welt verbunden ist. Dort hatten wir die Möglichkeit in 800 verschiedenen Geschäften shoppen zu gehen und/oder den Wasser- oder den Entertainment-Park zu besuchen. Der Tatsache geschuldet, dass Kanada deutlich größer ist als Deutschland, brauchten wir den ganzen vierten Tag zur Rückreise im Bus. Dennoch war es wert, auf den Kurztrip mitzukommen, weil man auf diese Weise einen noch besseren Eindruck vom Land gewinnen kann.

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Zum Ende des Schuljahres wurde mit uns Austauschschülern ein Ausflug zu einem der drei Seen gemacht. Die restlichen Wochen vergingen (leider) ziemlich schnell, wovon ich durch die Europameisterschaft abgelenkt wurde. Diese sah ich mir mit meinem, ebenfalls fußballbegeisterten Gastvater (so oft es uns aufgrund der Zeitverschiebung möglich war) an.

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In der Zwischenzeit begann ich mit den Vorbereitungen für meine Rückreise, bei denen ich mich um die Mitnahme meines vor Ort gekauften Fahrrades kümmern  musste (Verpackung, Transport zum Flughafen, Mitnahme per Flugzeug nach Deutschland), ehe meine Eltern kamen, um mich abzuholen und ein paar Tage zusammen mit meinen Gasteltern zu verbringen.

Die Eingewöhnung in Deutschland dauerte einige Tage, aber im Laufe der Zeit kam ich immer besser mit der deutschen Sprache zurecht und es fühlte sich wieder heimisch an. In der Schule musste ich mich erst an den anderen Stundenplan sowie an andere Unterrichtsfächer gewöhnen, die meiner Meinung nach in Deutschland anspruchsvoller sind als in Kanada.

Dennoch fällt es mir relativ leicht, in meinem Leistungskurs Englisch gute Noten zu bekommen, ohne mich dafür sehr anzustrengen.

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